top of page

Unterschied Unterweisung und Schulung – einfach erklärt

Autorenbild: Sabrina Ohletz
Sabrina Ohletz
2Min.
4 Min. Lesezeit

Ob in der Werkstatt, auf der Baustelle, im Friseursalon oder im Büro: Beschäftigte müssen wissen, wie sie ihre Aufgaben fachgerecht und sicher erledigen.

Dabei begegnen uns im Arbeitsalltag immer wieder zwei Begriffe: Unterweisung und Schulung.

Der Unterschied zwischen Unterweisung und Schulung ist jedoch nicht jedem bekannt. Beide Formate verfolgen unterschiedliche Ziele und erfüllen wichtige Aufgaben bei der betrieblichen Qualifizierung.

Gerade im Arbeitsschutz kann diese Unterscheidung für Unternehmen entscheidend sein.


Unterschied Unterweisung und Schulung: Ausbilder erklärt einem Mitarbeiter Sicherheitsmaßnahmen in einer Handwerkswerkstatt.

Was ist eine Unterweisung?

Eine Unterweisung vermittelt Beschäftigten konkrete Informationen, Anweisungen und Verhaltensregeln, die sie für ihre Tätigkeit benötigen.


Im Arbeitsschutz geht es insbesondere darum, Gefährdungen am Arbeitsplatz zu erkennen, Unfälle zu vermeiden und geeignete Schutzmaßnahmen richtig anzuwenden.


Beispiel aus einer Handwerkswerkstatt:

Ein neuer Mitarbeiter soll eine Maschine bedienen. Bevor er damit arbeitet, wird ihm erklärt und gezeigt:

  • Welche Gefahren bestehen bei der Arbeit?

  • Welche Schutzvorrichtungen müssen verwendet werden?

  • Welche persönliche Schutzausrüstung ist erforderlich?

  • Wie verhält er sich bei Störungen oder im Notfall?

Eine solche arbeitsplatzbezogene Sicherheitsunterweisung dient dazu, dass der Mitarbeiter seine Tätigkeit sicher ausführen kann.


Unterweisungen sind im Arbeitsschutz gesetzlich vorgeschrieben

Nach § 12 Arbeitsschutzgesetz müssen Arbeitgeber ihre Beschäftigten ausreichend und angemessen über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit unterweisen.

Die Unterweisung muss insbesondere bei der Einstellung, bei Veränderungen des Aufgabenbereichs oder bei der Einführung neuer Arbeitsmittel beziehungsweise Technologien vor Aufnahme der entsprechenden Tätigkeit erfolgen.


Zusätzlich schreibt § 4 DGUV Vorschrift 1 vor, dass Unterweisungen erforderlichenfalls wiederholt werden müssen, mindestens jedoch einmal jährlich. Sie müssen dokumentiert werden.

Je nach Tätigkeit und Gefährdung können weitere beziehungsweise kürzere Unterweisungsintervalle vorgeschrieben sein.


Wichtig: Eine allgemeine Schulung ersetzt nicht automatisch eine erforderliche arbeitsplatzbezogene Unterweisung.


Was ist eine Schulung?

Eine Schulung dient dazu, Kenntnisse und Fähigkeiten gezielt aufzubauen, zu erweitern oder zu vertiefen.

Dabei geht es nicht ausschließlich um unmittelbare Gefahren am Arbeitsplatz, sondern häufig um fachliche Qualifikationen und zusätzliche Kompetenzen.


Beispiel aus dem Handwerk:

Ein Mitarbeiter nimmt an einer Schulung zur Ladungssicherung teil.

Dort beschäftigt er sich unter anderem mit:

  • den Grundlagen der Ladungssicherung,

  • den wirkenden Kräften beim Transport,

  • geeigneten Sicherungsmethoden,

  • der Auswahl und Anwendung von Sicherungsmitteln.

Ziel ist es, fachliche Kenntnisse zu erwerben und diese in der betrieblichen Praxis anzuwenden.


Schulungen können freiwillig sein oder aufgrund besonderer betrieblicher beziehungsweise rechtlicher Anforderungen notwendig werden.


Unterschied Unterweisung und Schulung: Die wichtigsten Merkmale im Vergleich

Unterweisung

Schulung

Vermittelt tätigkeitsbezogene Anweisungen und Schutzmaßnahmen

Baut fachliche Kenntnisse und Fähigkeiten auf

Bezieht sich häufig auf konkrete Arbeitsplätze und Gefährdungen

Behandelt häufig ein umfassenderes Fachthema

Ist im Arbeitsschutz gesetzlich vorgeschrieben

Kann freiwillig oder verpflichtend sein

Muss im Arbeitsschutz regelmäßig und anlassbezogen erfolgen

Findet entsprechend dem Qualifizierungsbedarf statt

Muss nach DGUV Vorschrift 1 dokumentiert werden

Ein Teilnahme- oder Qualifizierungsnachweis kann vorgesehen sein

Merksatz: Die Unterweisung erklärt, wie Beschäftigte ihre konkrete Tätigkeit sicher ausführen. Eine Schulung vermittelt darüber hinausgehende Kenntnisse und Fähigkeiten.


Können Schulung und Unterweisung miteinander kombiniert werden?

Ja. In der Praxis ergänzen sich beide Formate häufig.


Ein gutes Beispiel ist der Umgang mit Leitern und Tritten.

In einer Schulung können Beschäftigte lernen, welche Leiterarten es gibt, welche Gefährdungen bestehen und wie Arbeitsmittel richtig ausgewählt und geprüft werden.

Die anschließende betriebliche Unterweisung bezieht sich dagegen auf die tatsächlich verwendeten Leitern, konkrete Arbeitsbedingungen und die Schutzmaßnahmen im jeweiligen Unternehmen.


So wird aus dem vermittelten Fachwissen eine sichere Handlung im Arbeitsalltag.

Entscheidend ist, dass die vorgeschriebenen Unterweisungsinhalte tatsächlich behandelt und die erforderlichen Nachweise geführt werden.


Drei typische Fehler in der betrieblichen Praxis

1. Eine Schulungsbescheinigung wird mit einer Unterweisung gleichgesetzt

Ein Beschäftigter hat an einer externen Schulung teilgenommen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass damit sämtliche betrieblichen Unterweisungspflichten erfüllt sind.

Die konkreten Arbeitsplatzbedingungen müssen weiterhin berücksichtigt werden.


2. Unterweisungen finden nur einmal statt

Gerade beim Arbeitsschutz reicht eine einmalige Unterweisung häufig nicht aus.

Neue Maschinen, geänderte Arbeitsabläufe oder neue Gefährdungen können zusätzliche Unterweisungen erforderlich machen. Auch die vorgeschriebenen Wiederholungsintervalle müssen eingehalten werden.


3. Die Dokumentation wird vergessen

Eine fachlich gute Unterweisung sollte nicht an fehlenden Nachweisen scheitern.

Mindestens sollten Thema, Datum, unterweisende Person und Teilnehmende nachvollziehbar festgehalten werden. Je nach Rechtsgrundlage können weitere Dokumentationsanforderungen gelten.


Warum Unternehmen beide Formate brauchen

Eine gute betriebliche Qualifizierung besteht nicht allein daraus, Beschäftigte zu Seminaren zu schicken oder einmal jährlich Sicherheitsregeln zu besprechen.

Schulungen entwickeln Kompetenzen. Unterweisungen unterstützen die sichere Anwendung im konkreten Arbeitsumfeld.


Beides kann dazu beitragen, Arbeitsabläufe zu verbessern, Risiken zu reduzieren und Beschäftigte für ihre Aufgaben zu qualifizieren.


Unternehmen sollten deshalb regelmäßig prüfen, welche fachlichen Qualifikationen benötigt werden und welche Unterweisungen aufgrund der vorhandenen Gefährdungen erforderlich sind.


Fazit: Unterschiedliche Aufgaben, gemeinsames Ziel

Unterweisung und Schulung sind keine austauschbaren Begriffe.


Während die Unterweisung im Arbeitsschutz konkrete Verhaltensweisen und Schutzmaßnahmen für den Arbeitsplatz vermittelt, dient die Schulung insbesondere dem Aufbau und der Erweiterung von Fachwissen.


Wer beide Instrumente sinnvoll miteinander verbindet, schafft eine wichtige Grundlage für qualifizierte Beschäftigte und sichere Arbeitsabläufe.


Weiterbildung und Arbeitssicherheit bei der IWB Recklinghausen

Die IWB – Institut für Weiterbildung und Beratung GmbH – bietet praxisorientierte Bildungsangebote für Unternehmen und Beschäftigte.

Zu unseren Themenbereichen gehören unter anderem die betriebliche Erste Hilfe, Ladungssicherung sowie Schulungen zum sicheren Umgang mit Leitern, Tritten und Rollgerüsten.

Sie möchten sich über unsere aktuellen Angebote informieren?

Besuchen Sie uns unter www.iwb-recklinghausen.de.

IWB Wissen & Service – Verständlich erklärt. Praktisch gedacht.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page