Ladungssicherung im Handwerk – auch bei kurzen Fahrten Pflicht!

Nur schnell zur Baustelle? Warum ungesicherte Ladung auch auf kurzen Strecken gefährlich werden kann.

Ein paar Werkzeugkoffer, eine Leiter, einige Eimer mit Material und vielleicht noch eine Maschine: In vielen Handwerksbetrieben gehört das Beladen des Transporters zur täglichen Routine.
Gerade bei kurzen Fahrten wird die Ladungssicherung manchmal unterschätzt. Schließlich geht es nur wenige Kilometer bis zur nächsten Baustelle oder zum Kunden.
Doch ein kurzer Transportweg bedeutet nicht automatisch ein geringes Risiko.
Bereits eine Vollbremsung oder ein plötzliches Ausweichmanöver kann aus ungesicherten Gegenständen eine erhebliche Gefahr machen.
Ladungssicherung gilt auch für kurze Fahrten
Ob eine Fahrt fünf oder fünfzig Kilometer dauert, spielt für die grundsätzliche Pflicht zur Ladungssicherung keine Rolle.
Nach § 22 Absatz 1 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) muss Ladung so verstaut und gesichert werden, dass sie selbst bei einer Vollbremsung oder einer plötzlichen Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen oder herabfallen kann.
Dabei müssen die anerkannten Regeln der Technik beachtet werden.
Das gilt für große Lastkraftwagen ebenso wie für betriebliche Transporter und andere Fahrzeuge.
Entscheidend ist nicht die Entfernung, sondern ob die Ladung während der gesamten Fahrt ausreichend gesichert ist.
Typische Fehler bei der Ladungssicherung im Handwerk
Im Arbeitsalltag können sich schnell Gewohnheiten entwickeln, die Risiken mit sich bringen.
1. Werkzeugkoffer werden lose transportiert
Werkzeugkoffer stehen häufig im Laderaum, ohne ausreichend gegen Verrutschen oder Umkippen gesichert zu sein.
Bei einer starken Bremsung können sie sich bewegen und andere Gegenstände beschädigen oder Menschen gefährden.
2. Leitern liegen ungesichert im Fahrzeug
Leitern und andere längliche Gegenstände müssen so gesichert werden, dass sie sich während der Fahrt nicht verschieben können.
Allein ihr Eigengewicht reicht dafür nicht aus.
3. Schwere Gegenstände werden falsch positioniert
Die richtige Verteilung der Ladung ist wichtig für die Fahrstabilität.
Schwere Gegenstände sollten unter Beachtung des Lastverteilungsplans möglichst tief und geeignet positioniert werden. Auch zulässige Achslasten und das Gesamtgewicht müssen berücksichtigt werden.
4. Zurrmittel werden nicht kontrolliert
Beschädigte oder ungeeignete Zurrgurte können die notwendige Sicherungswirkung nicht zuverlässig gewährleisten.
Deshalb müssen die eingesetzten Sicherungsmittel geeignet und in ordnungsgemäßem Zustand sein.
5. Auf kurzen Strecken wird auf die Sicherung verzichtet
„Das hält schon“ ist keine geeignete Sicherungsmethode.
Auch im Stadtverkehr kann eine unerwartete Bremsung notwendig werden.
Wer ist für die Ladungssicherung verantwortlich?
Die Verantwortung liegt nicht automatisch ausschließlich bei der Person, die das Fahrzeug fährt.
Je nach Aufgabe und rechtlicher Stellung können insbesondere folgende Beteiligte Verantwortung tragen:
Fahrerinnen und Fahrer: Sie müssen auf die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs und die ordnungsgemäße Sicherung der Ladung achten.
Verladende Personen: Sie sind im Rahmen ihrer Aufgaben für die sichere Verladung und Sicherung verantwortlich.
Fahrzeughalter und Unternehmen: Sie müssen unter anderem für geeignete Fahrzeuge, betriebliche Organisation und die erforderlichen Voraussetzungen zur sicheren Beförderung sorgen.
Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Die Ladungssicherung sollte als fester Bestandteil der betrieblichen Arbeitsabläufe organisiert werden.
So lässt sich Ladung sicher transportieren
Welche Sicherungsmethode geeignet ist, hängt unter anderem von der Art, dem Gewicht und der Beschaffenheit der Ladung sowie von Fahrzeugaufbau und Sicherungsmöglichkeiten ab.
Zu den grundlegenden Methoden gehören:
Formschlüssige Ladungssicherung
Die Ladung wird so positioniert und gesichert, dass vorhandene, ausreichend belastbare Begrenzungen oder geeignete Hilfsmittel Bewegungen verhindern.
Kraftschlüssige Ladungssicherung
Durch geeignete Sicherungsmittel wird die Ladung so auf die Ladefläche gepresst, dass die erhöhte Reibung einem Verrutschen entgegenwirkt.
Kombinierte Sicherung
In vielen Situationen ist eine Kombination verschiedener Sicherungsmethoden sinnvoll oder erforderlich.
Wichtig ist, dass die gewählten Maßnahmen tatsächlich für die jeweilige Ladung geeignet und ausreichend dimensioniert sind.
Ladungssicherung lernen – mit den Schulungsangeboten der IWB
Damit Mitarbeitende Ladung sicher transportieren können, benötigen sie die passenden Kenntnisse und praktische Erfahrung.
Die IWB – Institut für Weiterbildung und Beratung GmbH – bietet gemeinsam mit dem SuS Vest Recklinghausen ab 2027 praxisorientierte Schulungen zur Ladungssicherung für Transporter an.
Unsere Angebote richten sich insbesondere an Handwerksbetriebe, Fahrerinnen und Fahrer sowie Beschäftigte mit Transport- und Verladeaufgaben.
Ladungssicherung für Transporter – Grundlagenschulung
In dieser eintägigen Schulung werden wichtige Grundlagen der Ladungssicherung vermittelt und praktisch angewendet.
Zu den Inhalten gehören unter anderem:
Rechtliche Grundlagen und Verantwortlichkeiten
Kräfte beim Bremsen und Ausweichen
Lastverteilung und Fahrzeugbeladung
Formschlüssige und kraftschlüssige Ladungssicherung
Auswahl und Verwendung geeigneter Sicherungsmittel
Praktische Übungen zur Ladungssicherung
Die Schulung eignet sich für Mitarbeitende, die regelmäßig Werkzeuge, Maschinen, Waren oder Materialien transportieren.
Ladungssicherung – Fortbildung
Für Beschäftigte mit entsprechenden Vorkenntnissen bietet die IWB außerdem eine Fortbildung zur Auffrischung und Vertiefung vorhandener Kenntnisse an.
Im Mittelpunkt stehen die Wiederholung wichtiger Sicherheitsanforderungen, typische Fehlerquellen und die praktische Anwendung geeigneter Sicherungsmethoden.
Auch für Auszubildende geeignet
Wer schon während der Ausbildung lernt, Ladung richtig zu sichern, entwickelt frühzeitig ein Bewusstsein für Gefahren beim betrieblichen Transport.
Deshalb gehört auch eine spezielle Ladungssicherungsschulung für Auszubildende zu unserem Bildungsangebot.
Die Schulungen werden mit fachkundigen Kooperationspartnern durchgeführt.
Fazit: Sichere Ladung gehört zu jeder Fahrt
Ladungssicherung ist keine Aufgabe, die nur bei schweren Lastkraftwagen oder langen Transportwegen wichtig wird.
Auch auf kurzen Fahrten mit dem betrieblichen Transporter können ungesicherte Werkzeuge, Materialien oder Maschinen erhebliche Gefahren verursachen.
Wer Ladung richtig sichert, schützt Menschen, Fahrzeuge und transportierte Materialien.
Deshalb lohnt es sich, bestehende Abläufe im Betrieb regelmäßig zu überprüfen und Mitarbeitende gezielt zu qualifizieren.
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